Der andere Programmierer
Seit 31.03.2010 befinde ich mich in der Praxisphase des Studiums und wurde als Informatiker in einem kleinen Medienunternehmen eingestellt. Zur Zeit gibt es hier nicht viel zu tun, weil die Firma zwei Tage zuvor frisch umgezogen ist. Eigentlich kann man das Unternehmen mehr als Baustelle als als Firma bezeichnen. Immerhin steht schon ein mehr oder weniger zusammengeschusterter Tisch mit Computerstuhl für mich bereit und ich könnte direkt anfangen zu arbeiten.
Abgemacht ist es, laut Praktikums-Vertrag, dass ich die C3U (Watchdog) neu programmiere, da die alte Firmware nicht allen wünschen entspricht. Den Hersteller der C3U selbst damit zu beauftragen, würde mehrere Tausend Euro kosten (oder ist gar nicht mehr möglich, weil das Unternehmen insolvent ist? Ich weiß es nicht mehr) und da ich ohnehin Technischer-Informatiker bin und die Dokumentation zu der C3U ausgesprochen gut ist, habe ich eingewilligt.
Zur Zeit ist davon noch nicht viel zu sehen. Ich sehe die C3U im Einsatz und kann anhand der Dokumentation und der Verkabelung auch recht gut erkennen, was diese tut, doch noch muss ich mich erst einmal mit etwas anderem, kleinerem beschäftigen.
Ich kriege hin und wieder kleinere Ideen zur Umsetzung einiger Anwendungen, welches das Leben z.B. der Finanzabteilung einwenig bis erheblich verbessern würde. Die Rede ist vom schon laufenden und beliebten Abrechnungs-, Service- und Rechnungserstellungs-Programm. Die Anwendung wurde größtenteils in Ruby (on Rails) und Perl geschrieben. Es ist vollständig im Webbrowser Abruf- und Bedienbar und soll alle Informationsstränge, der hier gefertigten Automaten zentral und übersichtlich zusammenfassen und für die Service-, Finanz- und Grafikabteilung zugänglich machen.
Die Anwendung erstellt sogut wie alle Rechnungen selbst und zeigt an, wenn ein Automat ein Fehler liefert.
Leider hat die Anwendung mehrere Unzulänglichkeiten. Beispielsweise ist sie sehr unübersichtlich. Beispielsweise wird der Finanzabteilung Informationen angezeigt, die für diese völlig irrelevant sind. Zu viele Informationen sind eigentlich besser als zu wenige, aber man kann diese Informationsüberflutung an der Arbeitszeit zur Erstellung einer Reihe von Rechnungen für eine Kirchenwoche sehen.
Die Mitarbeiter sind mindestens die Hälfte der Zeit nur damit beschäftigt, die relevanten Informationen rauszufischen als wirklich produktiv Rechnungen zu erstellen. Außerdem arbeitet das Automatensystem nicht ordentlich und erstellt fehlerhafte Log-Dateien, die vom Abrechnungsprogramm nicht ordnungsgemäß bearbeitet werden können. Die Fehler haben sogar vor einiger Zeit dazu geführt, dass mehrere Tausend Euro an Einnahmen durch die fehlerhaften Log-Dateien verloren gegangen sind.
Außerdem werden die Ausländischen Automaten in der Abrechnung nicht behandelt.
Alles in allem erleichtert das Programm enorm das Leben, aber ist eben nicht perfekt.
Entwickelt wurde das Programm von einem freiberuflichen-Mitarbeiter, der den Sourcecode zwar freigegeben hat, mir aber mehr als genug Steine in den Weg legt, um der Weiterentwicklung entgegen zu wirken. Der Code ist weitestgehend unkommentiert und diverse Methoden und Klassen haben nichts sagende Namen, die nur bei Betrachtung des Codes mehr Informationen zulassen.
Sicher ist, es wird einige Zeit dauern den Kompletten Code selbst nach zu kommentieren und zu verstehen, um zumindest einige Kleinigkeiten daran zu ändern. Eine Testumgebung wäre natürlich auch noch wünschenswert (wer arbeitet schon freiwillig am offenen Herzen oder mit sensiblen Daten?) – mit anderen Worten, wir sehen in ein paar Tagen weiter, wenn ich alles beisammen habe.
Zur Zeit ist der Freiberufler auch hier eingetroffen und ich darf ihm weder sagen, dass ich an seinem Programm arbeite noch darf ich ihm fragen stellen zum Programm – wie toll
. Er würde selbst weiter daran arbeiten, wenn er nur den Auftrag erteilt bekommen würde, wenn er nicht einen stolzen Stundenlohn von 80 € verlangen würde. Ob gerechtfertigt oder nicht, ich kann verstehen, dass diese Firma versucht einen anderen mit der Wartung und Weiterentwicklung dieses Programms zu beauftragen und ich kann auch verstehen, dass der Freiberufler versucht, soviel aus seinem Projekt herauszuholen, wie möglich – es steckt ja auch eine Menge Arbeit dahinter. Zumindest ist die Situation zumindest für mich recht heikel.
Was daraus wird, wird die Zeit zeigen. Ich zumindest werde (wahrscheinlich Anfang nächsten Jahres) am Nachfolger-Programm arbeiten und habe somit die besten Voraussetzung, das beste aus diesem Programm zu machen, so das zumindest dieses ein perfektes Programm für alle Abteilungen werden kann.


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