Machtlos
Ich klammere mich an ihre Füße, flehe sie an, dass sie nicht gehen soll … nicht aus meinem Leben gehen soll. Mir tun schon meine Augen weh vor lauter weinen und der Boden zeigt schon eine kleine pfütze aus Speichel und Tränen … Ich seh sie aus meinem Leben verschwinden … mit kleinen Schritten, aber sie verschwindet.
Sie bleibt stehen, nimmt meine Hände von ihren Füßen und sagt “Es tut mir leid …” und geht weiter vorran. Sie geht und ich bleibe zurück. Ich weine bitterlicher als je zuvor, fange sogar an zu schreien und merke, dass ich nun alleine und einsam bin … niemand da, dem ich mein Herz schenken könnte oder der sich jeden Tag aufs neue auf mich freut … Nichts ist so, wie es war … rein gar nichts …
Genau in diesem Punkt bin ich nach einer Stunde schlaf um 9 Uhr aufgewacht. Mein Kissen ist nass, vor schweiß … meine Nase lief … ich muss geweint … jämmerlich geweint haben, weil meine Augen immer noch im Wasser standen. Es war ein Albtraum, der realer wahr, als alle zu vor.
Gestern sind drei Dinge aufeinmal passiert, die mich psychisch total fertig gemacht haben und es immer noch tun … So fertig, dass sie mich sogar im Traum begleiten und nicht los lassen wollen.
Eine gute Freundin von mir ist aus der Psychiatrie ausgebrochen, weil sie es dort scheinbar nicht mehr ausgehalten hatte. Ich hatte sie immer dann besucht, wenn Besuchzeit war … nun ist sie fort und keiner weiß, wo sie ist.
Gestern bin ich mit Mina bei Burger King essen gewesen und bin anschließend zu ihr gefahren. Ich hab sie mit ziemlich vielen Bemerkungen angemacht, die ziemlich gemein rüber kamen, auch wenn es nicht so gemeint war. Von der Bushaltestelle bis zu ihr sprach sie kein Wort mehr mit mir … ich hatte wohl etwas übertrieben.
Bei ihr zu hause lag ich mich erstmal in ihr Bett, während sie ihr Zimmer sauber machte. Sie schenkte mir keines Blickes und bemerkte, als sie den Käfig von Fili von einer Wand zur Wand am Fenster stellen wollte, dass Fili tod war. Ich sprang sofort auf und merkte … das nun alles verloren war … ich wollte ihr noch helfen … bei irgendwas … irgendwie, aber machtlos … sie wollte nicht.
Ich wollte anfangen zu weinen … einfach vor ihren Augen, weil mir der Tag zu weit ging, wie er bis jetzt ging … doch was sollte ihr das helfen?
Nachdem ich ihr Bett gemacht hatte und gerade Abwaschen wollte (was sie nicht wollte) entschuldigte ich mich bei ihr, dass ich sie beleidigt hatte im Bus und ging …
Zuhause angekommen schrieb ich ihr eine SMS, dass mir alles Leid tut, was passiert ist und das ich … absolut Machtlos bin. Kurze Zeit später schrieben wir im Internet miteinander. Ihr tat es auch Leid … doch sie ist immer noch ziemlich fertig von dem Tag.
Ich wurde währenddessen von der Mutter meiner guten Freundin angerufen, ob ich nicht wüsste, wo sie sei. Ich wusste absolut nichts … und konnte ihr deshalb auch nicht helfen. Mir wurde von ihr erklärt, was vorgefallen und warum sie wohl abgehauen ist. Die Polizei sei auch schon eingeschaltet.
Ich bin ziemlich depressiv geworden, bin es mit großer Wahrscheinlichkeit immer noch und konnte deshalb nicht mehr normal schreiben und denken. Mina meinte, dass sie wohl heute nicht zur Frühlingsfeier bei Paddy’s Firma mitkommen würde. Das einzige woran ich dachte, “toll, nun darf ich mich da alleine langweilen …“, ich hab gar nicht auf ihre Gefühle geachtet … nur an mich
…
Das ging dann soweit, dass sie eine kleine Pause von ein paar Tagen haben möchte, wo sie nichts von mir hören und mich nicht sehen will, bis wir uns wieder beruhigt haben.
Davon kommt auch der Albtraum … Ich weine … mein Leben ist leer und ich bin machtlos …
